Wie alles begann
Text und Bilder von Monika Dankert
Manchmal entstehen die besten Ideen an Orten, an denen man sie nicht erwartet.
Anfang der 2000er Jahre machte ich einen nostalgischen Spaziergang durch das Viertel, in dem ich früher eine eigene Kneipe betrieben hatte. Viele Erinnerungen waren mit diesem Ort verbunden. Schweren Herzens hatte ich die Kneipe damals verkaufen müssen, weil ich die Arbeit allein nicht mehr bewältigen konnte.
Während meines Spaziergangs kam ich an einem großen Parkplatz vorbei, der sich damals am Anfang der Straße befand. Dort hielten sich auch wohnungslose Menschen auf. Durch meine ehrenamtliche Tätigkeit in der Obdachlosenhilfe hatte ich immer wieder erlebt, wie wichtig kleine Zeichen von Unterstützung und Respekt sein können.

Am Rand des Platzes entdeckte ich einen provisorischen Verschlag. Zunächst dachte ich mir nicht viel dabei. Doch beim genaueren Hinsehen erkannte ich, dass sich dort viele Dinge angesammelt hatten: Kleidung, Bücher, Kinderspielzeug und allerlei andere Gegenstände. Der Gedanke dahinter war eigentlich schön: Dinge, die ein Mensch nicht mehr braucht, könnten für jemand anderen noch wertvoll sein. Leider waren die Sachen ungeschützt, feucht und verschmutzt – vieles war dadurch nicht mehr zu gebrauchen.
Diese Beobachtung ließ mich nicht mehr los. Ich fragte mich: Könnte man nicht einen Ort schaffen, an dem Geben und Nehmen besser funktionieren? Einen Platz, an dem Dinge weiterleben dürfen und Menschen miteinander in Kontakt kommen?

Aus dieser Idee entstand mein erstes eigenes Tauschregal. Über ein Nachbarschaftsportal sammelte ich Holz und Baumaterial und baute in meiner kleinen Werkstatt ein Regal, das ich mit Zustimmung der Hausgemeinschaft in unserem Innenhof aufstellen durfte.
Was zunächst ein kleines persönliches Projekt war, entwickelte sich schnell zu einem festen Bestandteil der Nachbarschaft. Menschen brachten Dinge vorbei, andere fanden etwas, das sie gebrauchen konnten. Natürlich musste sich das gemeinsame Verständnis erst entwickeln: Ein Tauschregal funktioniert nur, wenn alle sorgsam damit umgehen und Verantwortung übernehmen.
Mit der Zeit geschah genau das. Nachbarinnen und Nachbarn begannen, ein Auge darauf zu haben, aufzuräumen und mitzuhelfen. Aus einem einfachen Regal wurde ein kleiner Ort der Begegnung. Heute sehen wir diese Idee mehr denn je als Beitrag zu einer nachhaltigeren und menschlicheren Nachbarschaft. Dinge sollen nicht vorschnell weggeworfen werden, sondern die Möglichkeit bekommen, ein zweites Leben zu führen. Und Menschen sollen erleben, dass Teilen verbindet.
Aus dieser ursprünglichen Idee wächst nun das neue Tauschregal St. Georg – getragen von engagierten Menschen, die gemeinsam weiterbauen an einem Ort für Nachhaltigkeit, Austausch und Gemeinschaft.


